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Aus der Schulchronik -  von Lehrer Krüger geschrieben:

Foto unserer damaligen Schule

Neubau der Schule  1909 / 1910

Das alte Schulhaus war baufällig, die Klasse zu klein, für die Kinder war kein gesonderter Eingang vorhanden. Als nun der Lehrer diesen forderte und zugleich auch eine Vergrößerung des Klassenraumes, war Schulvorstand der Ansicht, daß es vorteilhafter wäre, statt an dem alten Gebäude zu bessern, einfach einen Neubau auszuführen. Nachdem die Königliche Regierung durch die Vertreter (Geheimrat Bastian und Regierungsrat Brandes) vermittelst Lokalbesichtigung sich von der Notwendigkeit eines Neubaues überzeugt, wurde beschlossen, das neue Schulhaus auf dem Schulgrundstücke im Bauergarten anzufügen.
Zwecks Verkauf des alten Schulhauses nebst dazugehörigem Garten und Wiese in Gesamtgröße von 0,2752 ha wurden 2 Termine abgehalten am 29. Januar und 8. Februar 1908. Höchstbietender blieb im 2. Termin der Häusling Fr. Bruns II., zweithöchstbietender war mit 8240 M der Abbauer P. Maack. Da ersterer für sein Gebot keine genügende Sicherheit leisten konnte, wurde Maack der Zuschlag erteilt. (S. anliegende Grundstücksversteigerung).

Der erste Bauriß des neuen Schulhauses wurde von dem Zimmermeister … Salzhausen angefertigt. Da jedoch der dazugehörige Kostenanschlag sich auf ca. 22000 bis 23000 M belief, erschien der Bau zu kostspielig. Nachdem dann eine vom Baurat Paetz – Harburg eingeholte Skizze ebenfalls nicht den Beifall des Schulvorstandes gefunden hatte, wurde die Anfertigung der Zeichnung nebst Bauleitung dem bewährten Architekten Matthies, Bardowick übertragen mit der Bedingung, die Bausumme solle den Betrag von 18000 M nicht überschreiten. Der von Matthies angefertigte Bauriß, der sich in seinen Grundzügen dem Mutmacherschen Plane anschloß und nur die Fassade änderte, kam dann zur Ausführung. (S. anliegende Zeichnung des Architekten Matthies.)

Soll ich nun noch erzählen, unter welchen Schwierigkeiten der Bau des neuen Hauses vor sich gegangen ist. Wie der Schreiber dieses für sich und seine Nachfolger ein möglichst bequem eingerichtetes und auch den Anforderungen der Schönheit einigermaßen genügendes Heim in mancher Sitzung sich erkämpft hat: Darüber mag des Sängers Höflichkeit schweigen. Willst Du, mein lieber Nachfolger, etwas Näheres darüber wissen, so siehe die in dieser Angelegenheit durch Herrn Pastor Sprengel – Salzhausen geschriebene Protokolle ein. Dieser Herr und der Vertreter des Forstfiskus, Herr Forstmeister Böning – Garlstorf haben mir treu in den Sitzungen beigestanden und es mit bewirkt, daß etwas geschaffen ist, dessen wir uns vor der Nachwelt nicht zu schämen brauchen.

Am 5. Nov. 1910 haben wir das alte efeuumkränzte Haus, das uns fast 25 Jahre eine Wohn- und Wirkungsstätte gewesen war, verlassen.

Der jetzige Besitzer, Abbauer Maack, hat es nachher abgerissen und das noch brauchbare Holz- und Steinmaterial zum Bau der einige Meter östlich davon aufgeführten Scheune verwendet. Der Abriß war mir gewissermaßen recht. Schwer wurde es einem doch, den alten trauten Platz zu verlassen. Waren die Räume auch eng und unzulänglich geworden, so hatte trotzdem Glück und Leid darin gewohnt. Vier Kinder waren uns darin geboren, 2 gestorben. Mit dem alten Schulhause ist ein Stück Geschichte unserer Ortschaft zu Grabe getragen. Möge das neue Haus seinen Bewohnern ein trautes Heim werden, möge von ihm sich auch viel Segen über unsere Ortschaft verbreiten.

gez. E. Krüger

Eine besondere Freude wurde uns zuteil. Auf meinen Antrag ist uns ein Porträt Sr. Majestät, unseres geliebten Kaisers Wilhelm II. geschenkweise von der Königlichen Regierung überlassen worden. Das lebensgroße, in Öl auf Leinwand in künstlerischer Vollendung ausgeführte Bild hat seinen Platz über dem Katheder gefunden, so daß die Kinder jetzt stets ihren Landesvater vor Augen haben. Wir erhielten das Bild auf Veranlassung des Ministeriums der geistlichen ets. von der Kunsthandlung in Berlin am 30. Januar 1913.

Bemerkung: Als nach der Revolution im Nov. 1918 alles verschwinden mußte, was an das Königtum und Kaisertum erinnerte, da mußten auch die Kaiserbilder auf Befehl der Regierung überall aus den Schulen entfernt werden. Unser Kaiserbild hat seinen neuen Platz im Treppenhaus des Schulhauses gefunden. Sie transit gloria mundi.

Bemerkung:
Im Jahre 1932 wurde der „Eimerabort“ durch ein neuzeitliches W.C. ersetzt.


(Bei den obigen Daten handelt es sich um einen Auszug aus der Schul-Chronik)